Taunussteiner Energiewende

AKTE - ArbeitsKreis Taunussteiner Energiewende

Fuku­shi­ma und kein Ende nach 6 Jah­ren

Der Arbeits­kreis Tau­nus­stei­ner Ener­gie­wen­de (akte) und die Loka­le Agen­da 21 Tau­nus­stein ver­an­stal­ten am Sams­tag den 11.03.2017, 17:00 Uhr eine Mahn­wa­che zum 6. Jah­res­tag der Atom-Reak­tor­ka­ta­stro­phe von Fuku­shi­ma auf dem Niko­laus­platz in Hahn. Im Anschluß wer­den wir in Zel­ten über­nach­ten.
Vor 6 Jah­ren begann die Atom­ka­ta­stro­phe im japa­ni­schen Fuku­shi­ma. Zum einen tritt wei­ter­hin Radio­ak­ti­vi­tät aus und ver­strahl­tes Was­ser fließt in den Pazi­fik. Die kon­ta­mi­nier­te Erde sta­pelt sich in schwar­zen Plas­tik­sä­cken buch­stäb­lich bis zum Hori­zont. Vie­le Men­schen, ins­be­son­de­re die beson­ders emp­find­li­chen Kin­der sind durch die Radio­ak­ti­vi­tät krank gewor­den. Wir wol­len aber auch der Men­schen geden­ken, die noch recht­zei­tig in Sicher­heit gebracht wur­den. Sie haben ihre Hei­mat ver­lo­ren, ihr Haus ist unbe­wohn­bar, die sicher geglaub­te Exis­tenz zer­fiel von einem Tag auf den ande­ren. Beson­ders bit­ter ist die Lage der Fami­li­en, die vor der Atom­ka­ta­stro­phe ein Haus in der nun ver­strahl­ten Zone gekauft oder gebaut haben: obwohl ihr Haus wert­los und unbe­wohn­bar ist, müs­sen sie wei­ter­hin die Hypo­thek abzah­len. Die Sui­zid­ra­te unter die­sen Men­schen steigt seit 2014 dra­ma­tisch an. 

Der Opfer und der zer­stör­ten Exis­ten­zen der Men­schen von Fuku­shi­ma geden­ken wir mit einer Mahn­wa­che. Weil die Kata­stroh­pe wei­ter­hin andau­ert, belas­sen wir es nicht bei der Mahn­wa­che. Wir über­nach­ten in sym­bo­li­scher Soli­da­ri­tät mit den Eva­ku­ier­ten nach der Mahn­wa­che auf dem Niko­laus­platz in Tau­nus­stein – Hahn. Wie in Fuku­shi­ma wer­den die in den pro­vi­so­ri­schen Unter­künf­ten Leben­den von Hel­fern mit dem Lebens­not­wen­di­gen ver­sorgt. 

Damit for­dern wir die sofor­ti­ge Abschal­tung aller AKWs in Deutsch­land und anders­wo vor der nächs­ten Kata­stro­phe, die jeder­zeit uner­war­tet ein­tre­ten und die Men­schen in der Umge­bung ent­wur­zeln kann und sie aus ihrer Hei­mat ver­treibt.
Sie­he auch den Ver­an­stal­tungs­hin­weis»

Rund­schrei­ben zum 6. Jah­res­tag Fuku­shi­ma von Kazu­hi­ko Koba­ya­shi 

(Koba­ya­shi war bereits als Gast-Vor­trags­red­ner bei uns und sam­melt im deutsch­spra­chi­gen Raum Spen­den durch sei­ne Vor­trags­rei­sen fuer die Opfer von Fukshi­ma)

Lie­be Freun­din­nen und Freun­de,

es ist wie­der der Monat März gekom­men und wir ste­hen kurz vor dem 6. Jah­res­tag des Fuku­shi­ma-Super-GAUs.

Am 11. März 2011 über­fiel ein gro­ßes Erd­be­ben mit der Stär­ke (Magnitude)Mw9.0 das Nord­ost­ge­biet Japans, des­sen Epi­zen­trum 70KM öst­lich von der Stadt Sen­dai im Pazi­fik lag, zer­stör­te vie­le Städ­te und der Tsu­na­mi riß mit sei­ner Urge­walt unzäh­li­ge Häu­ser und Men­schen tief ins Meer mit. Aber noch die zwei­te Kata­stro­phe begann bereits am dar­auf fol­gen­den Tag. Die­se Natur­ge­walt hat schließ­lich am 12. März den ers­ten Reak­tor des FUKU­SHI­MA-DAIICHI-Atom­kraft­werks, am 14. den drit­ten und am 15. den vier­ten jeweils zur Explo­si­on geführt. Infol­ge­des­sen wur­de neben allen ande­ren radio­ak­ti­ven Nukli­den z.B. mehr als 300fach radio­ak­ti­ves Cae­si­um als bei dem Atom­bom­ben­ab­wurf in Hiro­shi­ma in die Luft, in die Erde und ins Meer geschleu­dert. Aber damit ist es noch lan­ge nicht been­det. Seit der Kata­stro­phe setzt sich die radio­ak­ti­ve Ver­seu­chung unun­ter­bro­chen wei­ter, nicht bis heu­te oder mor­gen, son­dern 10 Jah­re, 20 Jah­re, 50 Jah­re, 100 Jah­re und noch wei­ter.

Es ist unbe­kannt, wann die­se gan­zen Ver­seu­chun­gen zu Ende gehen, wir wis­sen nur, daß sie über Gene­ra­tio­nen dau­ern. Sie rie­chen nicht, sie sind nicht zu sehen und auch nicht zu spü­ren, aber sie ver­seu­chen unun­ter­bro­chen in aller Stil­le Schritt für Schritt unse­ren Erd­bo­den, unse­re Luft und unse­re Flüs­se und Mee­re immer wei­ter, welt­weit.

Wir, alle samt unse­ren unschul­di­gen Kin­dern und schließ­lich sämt­li­che Leben auf unse­rem Pla­net sind inne­ren und äuße­ren radio­ak­ti­ven Strah­len­ex­po­si­tio­nen aus­ge­setzt. Wel­ches ver­hee­ren­de Unheil!!!

Und die­se Kata­stro­phe hät­te man ver­mei­den kön­nen, wenn die poli­ti­schen Macht­ha­ber und Indus­tri­en Japans die Ver­nunft gehabt hät­ten, in die­sem extrem erd­be­ben­be­droh­ten Land kei­ne Atom­kraft­wer­ke zu bau­en.

Die gan­ze Prä­fek­tur Fuku­shi­ma, sogar auch vie­le ein­zel­nen Orte in den umge­ben­den bzw. nahe­lie­gen­den Prä­fek­tu­ren sind im Grun­de weit höher radio­ak­tiv kon­ta­mi­niert als der bis­her gül­ti­ge soge­nann­te unbe­denk­li­che Sicher­heits­grenz­wert von 1 mSv pro Jahr. Nun nennt die Regie­rung seit gerau­mer Zeit anstatt 1mSV den 20fach höhe­ren Wert, näm­lich 20mSv pro Jahr als neu­en unbe­denk­li­chen Wert. Aber selbst die­ser Wert wird in vie­len Hot Spots in den genann­ten Gebie­ten locker über­trof­fen.

Man schätzt die Flücht­lin­ge, die seit dem Super­GAU bis jetzt außer­halb der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma geflo­hen sind, ca. 50,000. Das ist eine sehr gerin­ge Zahl, wenn man die Bevöl­ke­rungs­zahl 2 Mil­lio­nen von Fuku­shi­ma kurz vor dem Super­GAU in den Ver­gleich zieht.

Ich stel­le auch fest, daß die meis­ten von ihnen die jun­gen Müt­ter sind, die über­durch­schnitt­li­che Schul­bil­dung haben und gewohnt sind, von Fak­ten aus­ge­hend selbst­stän­dig und kri­tisch zu den­ken und sich nicht von der Pro­pa­gan­da der Regie­rungs­sei­te beein­flus­sen zu las­sen, und sich ent­schlos­sen haben, trotz größ­ter finan­zi­el­ler sowie fami­liä­rer und gesell­schaft­li­cher Pro­ble­me aus Fuku­shi­ma zu flie­hen, vor allem, um ihre Kin­der zu schüt­zen.

Und gera­de von die­sen muti­gen und ver­ant­wor­tungs­be­wuß­ten Müt­tern sind die meis­ten am här­tes­ten getrof­fen und von der Öffent­lich­keit in Stich gelas­sen.

Sie lei­den heu­te in gro­ßer Armut oft ohne Zukunft­per­spek­ti­ve.

Vie­le von ihnen muß­ten allei­ne flie­hen, wäh­rend ihre Män­ner Jobs wegen in Fuku­shi­ma blie­ben und ihnen von ihrem Ver­dienst Geld schick­ten. Aber im Lau­fe der Zeit hat das lan­ge getrenn­te Leben sie finan­zi­ell extrem belas­tet und schließ­lich vie­le von ihnen dazu geführt, daß ihre Ehen kaputt gin­gen. Dadurch gerie­ten sol­che Müt­ter mit ihren Kin­dern in hoff­nungs­lo­se Finanz­kri­se.

Das ist die Fol­ge der ver­ant­wor­tungs­lo­sen, ver­bre­che­ri­schen Atom­po­li­tik Japans.

Schließ­lich haben sowohl die Regie­rung als auch TEPCO alle die­sen Flücht­lings­fa­mi­li­en, die nicht aus den unmit­tel­bar akw-nahen 20KM -Eva­ku­ie­rungs­zo­nen stam­men, kei­ner­lei finan­zi­ell unter­stützt, obwohl, im Grun­de genom­men, das gan­ze Gebiet der Prä­fek­tur Fuku­shi­ma und auch eini­ge Umge­bungs­ge­bie­te nach wie vor über­all unzäh­li­ge soge­nann­te Hot-Spot-Ecken mit bedroh­lich hohen radio­ak­ti­ven Strah­lungs­wer­ten haben und daher, kurz gesagt, ohne gesund­heit­li­che Risi­kos nicht bewohn­bar sind.

Das gan­ze Gebiet Fuku­shi­ma ist sicher, zu woh­nen, kei­ne gesund­heit­li­chen Beden­ken!!!” Das ist die täg­li­che Pro­pa­gan­da der Regie­rung mit vol­len Lügen.

Die für sie unbe­que­men Wahr­hei­ten wer­den nach wie vor strikt ver­heim­licht.

Die meis­ten unkri­ti­schen Bür­ger in Fuku­shi­ma woh­nen dort und glau­ben, wie sie vor dem Super­GAU an jene Pro­pa­gan­da Atom­kraft­wer­ke sind 100% sicher und lie­fern den sau­bers­ten und bil­ligs­ten Strom!!” geglaubt haben, auch dies­mal wie­der an die täg­li­che Pro­pa­gan­da ” Fuku­shi­ma ist sicher, alle sol­len nach Fuku­shi­ma zurück­kom­men!”.

Nun wird auch die fast ein­zi­ge Unter­stüt­zung, die die Regie­rung und die Prä­fek­tur Fuku­shi­ma bis jetzt die­sen geflo­he­nen Müt­tern und Kin­dern je nach den Umstän­den gege­ben haben, näm­lich ihnen bestimm­te Sozi­al­woh­nun­gen in ihrem Wohn­ort miet­frei zur Ver­fü­gung zu stel­len, per Ende März die­ses Jah­res ein­ge­stellt. 

Sie sagen näm­lich: Fuku­shi­ma sei sicher zu woh­nen, also kein Grund zur Flucht. Wenn sie den­noch wei­ter im Flucht­ort blei­ben woll­ten, soll­ten sie dann ab April ent­we­der die Mie­te zah­len oder die Woh­nung ver­las­sen.

Die Flücht­lin­ge und Bür­ger­initia­ti­ven pro­tes­tie­ren zwar dage­gen und wol­len die miet­frei­en Woh­nun­gen wei­ter­hin bean­spru­chen. Hier­für besteht aber kaum Chan­ce.

Im Hin­blick auf die­se schwie­rigs­te Lage bit­te ich Euch alle ganz herz­lich um Eure soli­da­ri­schen Spen­den für die­se hilf­lo­sen Müt­ter und Kin­der.

Kon­to­num­mer für Spen­den für Kin­der in Fuku­shi­ma”
Com­merz­bank Ham­burg – Filia­le Jung­fern­stieg

Kon­to­in­ha­ber: Kazu­hi­ko Koba­ya­shi

Kon­to Nr.: 0966002101

Bank­leit­zahl: 200 800 00

IBAN: DE43200800000966002101

Bit­te, gebt bei der Über­wei­sung 

Spen­den für Kin­der in Fuku­shi­ma” an!!!

Tokyo, 6. März 2017

Vie­le herz­li­che Grü­ße 

Kazu­hi­ko Koba­ya­shi

12-1-1108, Chuo-Hon­cho-3chome, Ada­chi-ku,

Tokyo 1210011, Japan

Tel: +81 – 3-3889 – 0108 Mobi­le: +81 – 90-2479 – 0092

Email: kleinerhain@gmail.com /​soundio-2@k7.dion.ne.jp

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An mei­nem Lebens­abend habe ich nur noch einen Wunsch:

Aus mei­ner inners­ten See­le her­aus zu spre­chen und nach mei­nem Gewis­sen zu han­deln für die hilf­lo­sen, unschul­di­gen Kin­der und für unse­re ein­ma­lig kost­ba­re, schö­ne und uner­setz­ba­re Erde, die nun welt­weit immer mehr ver­seucht wird und schwei­gend um Hil­fe ruft.

Kazu­hi­ko Koba­ya­shi

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