Taunussteiner Energiewende

AKTE – ArbeitsKreis Taunussteiner Energiewende

Gedenkstunde und Picknick zum 28. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe

Mit kleinen Teigtaschen in Form von Windrädern machen die Teilnehmer der Gedenkstunde darauf aufmerksam, dass die Alternativen zur Kernenergie konsequent ausgebaut werden müssen. Foto: RMB/Wolfgang Kühner

Mit kleinen Teigtaschen in Form von Windrädern machen die Teilnehmer der Gedenkstunde darauf aufmerksam, dass die Alternativen zur Kernenergie konsequent ausgebaut werden müssen.
Foto: RMB/Wolfgang Kühner

Gedenkstunde des Arbeitskreis Energiewende Taunusstein (AKTE) zum 28. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe

„Wir wollen nicht nur trauern, sondern auch positiv nach vorne sehen, wie wir das Problem mit der Kernkraft in den Griff kriegen können“, in Taunusstein gebe es zahlreiche Beispiele für die erfolgreiche Nutzung alternativer Energien oder für Einsparungen des Stromverbrauchs. Weiter im Bericht des Wiesbadener Kurier >>

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Redebeitrag von Jens Garleff auf der Mahnwache

Liebe Freundinnen und Freunde einer lebenswerten Zukunft!

Heute vor 28 Jahren ereignete sich im ukrainischen AKW Tschernobyl der bis dahin schwerste Unfall in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Der Reaktor geriet vollkommen ausser Kontrolle. Bei der ungebremsten nuklearen Kettenreaktion wurden alle Sicherheitsbarrieren zerstört und durch den nachfolgenden Graphitbrand gelangten grossen Mengen strahlenden Materials in die Umwelt und wurden hoch in die Atmosphäre geschleudert. Die radioaktive Wolke trieb wochenlang über Europa. Wo Regen die strahlenden Partikel aus der Luft wusch, wurde das Land verseucht. Dadurch liegen die am schwersten verstrahlten Gebiete nicht nur in der direkten Umgebung des Reaktors, sondern auch hunderte Kilometer entfernt im Nachbarland Belarus, aber auch in Skandinavien, in der Türkei und in Österreich.

Diese radioaktive Verseuchung hat viel Leid verursacht: Menschen wurden krank und starben, teils direkt wegen der Strahlenkrankheit, teils später wegen des geschwächten Immunsystem, teils später an Krebs. Das ist bis heute so. Aber auch die die bei guter Gesundheit überleben, mussten ihre Heimat verlassen, wurden umgesiedelt. Das bedeutet oft Job weg, Wohnung weg, Nachbarn und Freunde im Zuge der Umsiedelung weg.
Zahlen über die Opfer sind nach wie vor umstritten und extrem unterschiedlich hoch; kernkraft-freundliche Organisationen sprechen von einigen 1000 Toten, maximal könnte der Geburtenrückgang in den verstrahlten Gebieten in ganz Europa um rund eine Million im Vergleich zu vor der Katastrophe als Folge der Havarie betrachtet werden. Dabei weiss natürlich niemand, welchen Anteil an diesem Rückgang absterbenden Föten und welchen Anteil die Tatsache hat, daß manche Eltern vielleicht bewusst keine Kinder in eine solch unsichere und ungesunden Situation hineinsetzen wollen. Das ist aber eigentlich auch einerlei, denn jedes Opfer ist eines zuviel. Daher gedenken wir jetzt diesem Leid mit einer Schweigeminute.

Auch bei uns in über 1500 km Entfernung war die Strahlung so hoch, daß viele Grenzwerte überschritten wurden. Zu Teil ist das bis heute noch so. Beispielsweise sind immer wieder Wildschweine so hoch belastet, das sie als Sondermüll entsorgt werden müssen. Das verwundert eigentlich auch nicht, denn ein Hauptbestandteil der radioaktiven Wolke war Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von gut 30 Jahren. Davon ist also noch nicht einmal die Hälfte zerfallen. Selbst diese recht überschaubare Halbwertszeit ist damit schier unendlich im Vergleich dazu wie schnell das Interesse der Öffentlichkeit und Medien sich neuen Themen zuwendet.

Wo wir gerade bei Zahlen sind: Für das AKW Biblis haben die Betreiber 1989 die Ausfallwahrscheinlichkeiten der sicherheitsrelevanten Komponenten untersucht und damit hochgerechnet, wie groß das Risiko ist, daß der Reaktor wegen technischen Versagens havariert, und katastrophaler Unfall ähnlich dem in Tschernobyl zu erwarten ist. Das Ergebnis ist einmal in 33 Tausend Betriebsjahren. Das klingt zunächst ganz passabel, denn 33.000 Jahre sind lang. Angesichts von derzeit 420 AKWs die weltweit laufen, von denen jedes mindestens dieses Katastrophenrisiko darstellt, wäre alle ca. 75 Jahre ein SuperGAU zu erwarten. In der Studie von 1989 sind ausserdem nur die Unfälle wegen technischen Versagens betrachtet. Andere Ursachen wie Eingriffe von aussen durch Naturkatastrophen oder Terrorismus, oder durchs Personal wie Schlamperei oder Sabotage erhöhen das Risiko zusätzlich. So ist es dann ganz normal, daß wir alle paar Jahrzenhte eine Kernschmelze mit massiver Verstrahlung der Umwelt erleben: Harrisburg 1979, Tschernobyl 1986, Fukushima 2011. Was kommt als nächstes?

Wer für die Nutzung der Atomkraft ist sollte ehrlich zugeben, daß wir dann alle paar Jahrzehnte mit einer neuen Nuklearkatastrophe leben müssen, die dann kein Restrisiko sondern traurige Realität im Normalbetrieb der Atomwritschaft darstellt. Leider sagt die Statistik nur wie oft Unfälle im Durchschnitt auftreten, aber nicht wann genau. Jeder Einzelfall ist unvorhersehbar und kann schon morgen eintreten.

Mich erinnert das an die bekannte Radiowerbung fürs Lotto-Spielen: „Nur wer mitspielt, kann gewinnen!“
Übertragen auf die Atomtechnik heißt das: „Nur ein stillgelegtes AKW ist sicher!“

Deshalb:

Ausstieg sofort!

Energiewende jetzt!

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